▼
Samstag, 1. Dezember 2018
Buchrezension: Stephan Harbort "Wenn Kinder töten"
Inhalt:
Stephan Harbort - Deutschlands führender Serienmordexperte- beschreibt in diesem Buch Tötungsdelikte, die von Kindern verübt wurden. Dabei spielen sich einige der Verbrechen in Deutschland ab, andere z.B. in Amerika.
Der jüngste beschriebene Täter ist gerade mal 6 Jahre alt, als er seine Klassenkameradin erschießt.
Meine Meinung:
Schon bevor ich dieses Buch zur Hand nahm - eigentlich schon als ich das erste Mal von diesem Buch hörte - war mir klar, dass es mich sehr treffen wird. Dass ich dieses Buch nicht so einfach locker lesen können werde. Dennoch wollte ich es unbedingt lesen, gerade da ich als Erzieherin arbeite und mich frage, wie es dazu kommt, dass Kinder überhaupt töten. Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, dass sie es schon so bewusst tun. Aber dieses Buch zeigt...manchmal machen sie es sehr bewusst. Und genau dies schockiert mich sehr.
Ich fand es spannend diese Fälle zu lesen, sie sind hochinteressant und haben mir teilweise die Augen schon sehr geöffnet. Mir tat es teilweise so leid, was mit diesen Kindern schon in ihrer frühsten Kindheit gemacht wurde, was sie erlebt haben. So ganz wundert es mich dann nicht, dass sie so geworden sind, wie sie sind - schockieren tut es mich logischerweise dennoch.
Es ist extrem heftig, mit welcher Brutalität die Kinder teilweise vorgehen, und das die Taten zum Teil so sehr durchdacht und geplant waren. Gerade dies ließ mich doch sehr schlucken.
Besonders nah ging mir der 6 Jährige Schüler, der seine Klassenkameradin erschoss.... wie heftig muss dies auch für die Eltern von dem Täter sein?! Das ein Kind so wird, ist einfach nur traurig.
Mir war schon vor diesem Buch klar, dass viele Täter von ihrer Kindheit beeinflusst / geprägt wurden. Natürlich ist dies keine Entschuldigung für Mord, Vergewaltigung oder andere Taten. Doch gerade im Hinblick, darauf, dass hier die Täter selbst noch Kinder sind, sehe ich persönlich dies zwiegespalten, denn auch wenn sie teilweise genau wussten, was sie taten, so sind sie dennoch Kinder, die sich der Tragweite oftmals noch gar nicht 100%ig sicher sein können. Dazu kommt, sie stecken selbst noch in dieser Kindheit, die sie prägt. Sie haben nie gelernt mit ihren Aggressionen umzugehen. Ihre Eltern, Erzieher...haben ihnen dabei nicht geholfen, nicht helfen können. Hier sind meiner Meinung nach vor allem die Eltern in der Pflicht ihre Kinder entsprechend zu erziehen und Auffälligkeiten behandeln zu lassen. Während bei einem erwachsenen Täter, dieser natürlich für sich selbst verantwortlich ist, und sich selbst in Therapie begeben könnte. Kinder wissen oftmals noch gar nicht, dass es diese Möglichkeiten gibt.
Ich finde es sehr gut, dass Herr Harbort sich an dieses erschreckende Thema ran traut. Gerade da es meiner Meinung nach doch eher ein Tabuthema ist - die Gesellschaft will die Kinder so nicht sehen. Was für mich komplett verständlich ist.
Trotz der Thematik, und kurzem zur Seite legen des Buches - da ich gelesenes erstmal verarbeiten musste - habe ich dieses Buch quasi verschlungen. Einfach weil ich das Thema so interessant finde. Herr Harbort hat einen sehr angenehmen Schreibstil, dem ich sehr gut folgen konnte und der sich - trotz etwaiger Fachausdrücke - sehr gut lesen lässt. Die Fachausdrücke sind meiner Meinung nach immer sehr gut erklärt, und ich finde es wichtig, dass solch ein Buch diese beinhaltet.
Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Aber man sollte auf schockierende Taten gefasst sein.
5 von 5 Punkten
Droemer
Taschenbuch
268 Seiten
9,99 Euro
ISBN 9783426301869
